Trockenmauern aus Naturstein, die in Weinbaugebieten häufig als Stützmauern genutzt werden, sind prägende Elemente der Kulturlandschaft und gehören in Rheinland-Pfalz zum Landschaftsbild der Weinberge dazu. Die Erhaltung der Natursteinmauern ist darüber hinaus besonders aus ökologischer Sicht sehr wertvoll, da sie enorm zur Artenvielfalt beitragen.

Speziell sonnige Standorte sind ideal für artenreiche Trockenmauern, da sie insbesondere für wärme- und trockenheitsliebenden Tier- und Pflanzenarten eine optimale Lebensgrundlage bieten. Die Ritzen, Spalten und Hohlräume sind für zahlreiche Kleintiere wie Eidechsen, Blindschleichen, Hummeln und Laufkäfer Lebensraum und Unterschlupf. Damit dieser wertvolle Lebensraum für Tiere und Pflanzen gesichert und die traditionelle Kulturlandschaft bewahrt wird, ist die fachmännische Sanierung und der Bau neuer Trockenmauern, unter Beachtung des Artenschutzes, fundamental.

Die Stadt Ingelheim am Rhein hat sich im Zuge des Projektes „Erhaltung und Vernetzung von Biotopsystemen“ zur Aufgabe gemacht die Trockenmauern im Weinbaugebiet rund um Ingelheim am Rhein (Landkreis Mainz-Bingen) zu erhalten und zu entwickeln.

Unser Büro gutschker-dongus begleitet seit 2015 dieses Vorhaben und setzt nach und nach die stark beschädigten Trockenmauern instand ("Bau einer Trockenmauer in Ingelheim am Rhein" Beitrag vom 09. August 2018). Die zweite stark beschädigten Trockenmauer „Im Hahnenmeer“ in Groß-Winternheim wurde 2018 zur Hälfte instandgesetzt und im Sommer 2019 folgte der zweite Bauabschnitt. Wie schon im Zuge des ersten Bauabschnittes waren im Vorfeld artenschutzrechtliche Prüfungen im Hinblick auf Konfliktpotential notwendig. Dabei wurde das Vorkommen einer streng geschützten Tierart, die Mauereidechse (Podarcis muralis), festgestellt. Daraufhin wurden die erforderlichen artenschutzrechtlichen Maßnahmen zur Vermeidung von einzelnen Eidechsentötungen sowie zum Erhalt des Lebensraums der Mauereidechsenpopulation durchgeführt. Die Vergrämung der Mauereidechsen in der Bestandsmauer wurde durch das Aufbringen einer Folie ausgeführt. Als Ausgleichshabitat diente der Mauerabschnitt, welcher im ersten Bauabschnitt 2018 hergestellt wurde.

Nach erfolgreich durchgeführter Vergrämung wurde die Mauer vorsichtig im Beisein der Umweltbaubegleitung abgetragen und anschließend in Handarbeit wieder neu aufgesetzt.

Da eine Trockenmauer lediglich aus Natursteinen besteht, die trocken ohne Mörtelverfugung stabil aufeinandergesetzt werden muss, war die Errichtung eine handwerkliche und bautechnische anspruchsvolle Aufgabe. Damit die Trockenmauer zum Erhalt eines standorttypischen Landschaftsbildes beiträgt, wurde größtenteils der ortstypische Kalkstein verwendet.

Mit der Begleitung durch die Umweltbaubegleitung (ökologische Baubegleitung) wurden die rechtlichen und fachlichen Aspekte des Umwelt- und Naturschutzes (Artenschutz) sichergestellt.